Greesentag

Traditionelle Greesen Saarwellinger GreesentagDie bekannteste Veranstaltung, weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt, ist der Saarwellinger Greesentag. Dieser Tag entwickelte sich nach dem 2. Weltkrieg zu einem wahren Volksfest. Der Besucherzustrom von bis zu 40.000 kann seit Jahren nur noch durch die Aufstellung von Festzelten aufgefangen werden. Bereits seit einigen Jahren gibt es zwei Zelte, wobei ein kleineres Festzelt auf dem Schlossplatz seit dem Jahr 2005 von den Gold-Blauen-Funken betrieben wird.

Bereits am Vormittag wird der Greesentag mit einer Schüler- und Jugendveranstaltung eingeläutet. Danach entwickelt sich über den ganzen Tag ein reges Narrentreiben. Ein Erlebnis ist zudem immer wieder das seit den 50iger Jahren am Abend in den Himmel geschossene imposante Feuerwerk.


Vielen Dank an den Landkreis Saarlouis, der uns den Film freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

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Greesentag: Bereits 390 Jahre Saarwellinger Fastnacht!
Schülerumzug am Saarwellinger GreesentagIn Saarwellingen wurde das Wort “Faasend” schon immer groß geschrieben. Die ältesten Bürger der über tausendjährigen Gemeinde können aus der Überlieferung ihrer Eltern und Großeltern berichten, dass der “Fette Donnerstag” (Donnerstag vor Fastnacht) von jeher auf eine eigene Art gefeiert wurde, die in den Nachbargemeinden kein ähnliches Gegenstück fand. Der Saarwellinger Greesentag (eigentlich die einzige überlieferte Alt-Weiber-Faasend an der Saar) muss als älteste Tradition gewertet werden, die uns neben der rauhen Sprache als Teil alemannischen Brauchtums überliefert wurde. Die älteste Urkundliche Erwähnung der Saarwellinger Fastnacht datiert aus dem Jahre 1624. In anderen Teilen Deutschlands hatte der 30-jährige Krieg bereits begonnen, aber in Saarwellingen war noch nichts davon zu spüren. In einem Visitationsbericht heißt es wörtlich: “daß auf Fastnacht und Mathia (Bistumspatron) gedanst worden sei”. Dies zeigte der Pfarrer der Synode an. Saarwellingen war damals evangelisch und den geistlichen Herren des neuen puritanischen Glaubens waren Tanzfeste ein Greuel.

Über die Figur und die Herkunft der “Grese” gibt es vielerlei Deutungen. Wie so oft im Brauchtum gibt es allerdings keine eindeutige Antwort zur ursprünglichen Herkunft. Auf den ersten Blick läßt sich die sprachliche Verbindung zu Greis herstellen. Eine “Gres” ist ein “alt schrumpelich Wäschen” oder “en uralt Mittachin”, eine “Gres” ist also eine Oma. “Gresen” sind Großmütter. Sicherlich hatten die Mädchen früher kein Geld, um sich teure Kleider zur Fastnacht zu kaufen und griffen deshalb in Omas Klamottenkiste. In ihren Fastnachtskostümen ähnelten Sie Großmüttern und verstärkten diesen Eindruck noch durch entsprechende Masken.

Beim Wort “Gres” lässt sich auch über andere Bedeutungen diskutieren. Die Saarwellinger Nähe zum französischen Sprachraum beispielsweise hält eine Ableitung aus dem französischen für durchaus möglich. Es gleichen sich die Begriffe “graisse” für fett und Schmalz und “Gres”. Und schließlich treten die “Gresen” ja nur am fetten Donnerstag auf, an dem man nach alter Überlieferung ja “siebenmal mit fettigem Maul aus dem Fenster schauen soll”. Auch heute gilt das “runzelige Gresengesicht in dem Kapotthut” als Sinnbild für die offiziellen Tage der Saarwellinger Fastnacht.

Feuerwerk am Saarwellinger GreesenballDas Gresentreiben ähnelt stark dem alemannischen Brauchtum und ist einmalig an der Saar. Es verkörpert gleichzeitig die bekannte Altweiberfastnacht, die heute in den meisten Fällen auf einfallsloses Krawatten-Abschneiden reduziert ist. Die Gres ist mit einer “Plätsch” (Narrenpritsche – ein aus Karton gefaltetes Schlaginstrument) ausgerüstet, die zum “Abplätschen” benutzt wird. Eine wirkliche Gres ist aber nie mit einer Schere bewaffnet.

Auch heute noch ist in Saarwellingen der Fette Donnerstag der Tag der “Gresen”. Viele junge Frauen und Mädchen tragen an diesem Tag eine “Gresenmontour”. Es sind aber nicht mehr die alten Motzen der Großmütter. Heute sind es überwiegend neue schöne Kostüme aus Urgroßmutters Zeiten. Was geblieben ist, das sind die Masken.

Aber damals wie heute verbirgt sich hinter der hässlichen “Gresenfratze” meist ein hübsches junges Mädchen, mit dem man ruhig ein Tänzchen wagen kann. Schon manch junger Galan, der der Aufforderung der “Gres” zum Tanz nur widerwillig Folge leistete, wurde bei der Demaskierung überrascht.

Was in Rheinland die “Altweiberfastnacht” oder im Frankenland der Umzug der “Trommel-Weiber” ist, das bedeutet für die Saarwellinger der “Greesentag”. Nach dem letzten Krieg nahm dieses Volksfest immer größere Ausmaße an. Viele tausende Besucher kamen aus den benachbarten Regionen, um dieses närrische Treiben mitzuerleben.

Bereits am Vormittag begibt sich ein immenser “Gresenumzug” mit überwiegend jungen Faasendboozen zum Rathaus. Am Abend geht es dann richtig los. Um 20.11 Uhr wird das Prinzenpaar von den beiden Saarwellinger Fanfarenzügen, dem Musikverein “Harmonie” sowie den beiden Karnevalsgesellschaften und den vielen “Gresen” zum Schlossplatz geleitet. Hier erfolgt die Schlüsselübergabe durch den Bürgermeister an das Prinzenpaar. Höhepunkt des närrischen Festes auf dem Schlossplatz ist ein farbenprächtiges Höhenfeuerwerk. Danach beginnt das Karnevalstreiben in allen Sälen und Lokalitäten des Ortes. Fastnacht als Erbe ihrer Vorfahren bedeutet für die traditionsbewussten Bürger der Gemeinde Saarwellingen heute, mehr denn je, eine Aufgabe und ernsthafte Verpflichtung.